Der Autobauer Daimler gerät immer stärker in den Strudel der Finanzmarktkrise. Wegen der drastisch zurückgehenden Pkw-Verkäufe wird das erste Mal seit 1993 im größten inländischen Mercedes-Werk in Sindelfingen wieder Kurzarbeit eingeführt, berichtete Gesamtbetriebsratschef Erich Klemm am Montag. Das sei ein schwieriger, aber notwendiger Schritt. Fund zwei Drittel der 28.000 Produktionsbeschäftigten seien betroffen. Audi hingegen trotzt der Absatzkrise. Die VW-Tochter konnte die Auslieferungen im November gegenüber dem Vorjahr um 0,4 Prozent auf 75.950 Autos steigern.

In Sindelfingen ist die Arbeitszeitverringerung von 12. Januar an zuerst einmal bis 31. März geplant, wie Klemm sagte. Der Arbeitnehmervertreter betonte: «Es wird an allen Standorten über Kurzarbeit gesprochen.» Bisher stand das Thema nur in den Mercedes-Werken Sindelfingen, Berlin, Bremen und Düsseldorf zur Diskussion.
In Sindelfingen rollen unter anderem die C-,E- und S-Klasse vom Band. Klemm sagte, im größten inländischen Mercedes-Werk seien die Einführung einer 4-Tage-Woche, zeitweilig einer 3-Tage-Woche sowie verlängerte Werksferien beispielsweise an Karneval geplant. Der Gesamtbetriebsratschef sagte: «Wir gehen aber davon aus, dass sich die Situation auf dem Absatzmarkt mittelfristig erholt und die Fabrik wieder voll ausgelastet werden kann.»
BMW schickt Mitarbeiter auch nach Hause
Durch eine Betriebsvereinbarung sind Daimler-Beschäftigte bis Ende 2011 vor betriebsbedingten Kündigungen geschützt. «Ich bin mir sicher, dass die Zukunftssicherung hält.» Für das Werk Stuttgart-Untertürkheim wird den Angaben zufolge eine Entscheidung über Kurzarbeit in den kommenden Tagen erwartet.
Der Absatz der Marken Mercedes-Benz, Maybach und Smart war im November um 25 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat eingebrochen. In diesem Jahr werden bei Daimler etwa 80.000 bis 100.000 Autos weniger gebaut als geplant, wie aus mit der Sache vertrauten Kreisen verlautete. An allen 14 Standorten in Deutschland werden insgesamt 150.000 Daimler-Mitarbeiter in verlängerte Weihnachtsferien von bis zu vier Wochen geschickt.
Wegen der Absatzkrise schickte BMW die Beschäftigten seines Münchner Stammwerks schon zu Nikolaus in die Weihnachtsferien. «Ab Montag fangen die Weihnachtsferien im Werk München an», sagte Unternehmenssprecher Marc Hassinger am Wochenende auf Anfrage der Nachrichtenagentur AP. Es würden Überstunden abgebaut.
BMW will 2008 ungeachtet der Krise etwa so viele Fahrzeuge verkaufen wie im Rekordjahr 2007. «In Deutschland liegen wir aktuell noch über dem Vorjahresabsatz. Ende des Jahres werden wir wohl annähernd auf dem Niveau von 2007 landen», sagte Philipp von Sahr, Leiter des Deutschland-Vertriebs, dem «Tagesspiegel» (Montagausgabe).
Audi boomt beim Absatz
Audi verbesserte in den ersten elf Monaten seinen Absatz um 3 Prozent auf 920.700 Fahrzeuge. «Audi behauptet sich dank seiner jungen und attraktiven Modelle weiterhin sehr gut am Markt», erklärte Vertriebsvorstand Peter Schwarzenbauer. Die schwierigen Rahmenbedingungen stellten allerdings in allen Absatzregionen eine große Herausforderungen dar.

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