Köln - Millionen Pendler müssen sich auf Fahrpreiserhöhungen von schätzungsweise drei Prozent bei Bus und Bahn in diesem Jahr einstellen. Grund seien neben den sinkenden Bundeszuschüssen und gestiegenen Energiepreisen die zum Teil «sehr hohen Tarifabschlüsse, sagte die Hauptgeschäftsführerin des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), Claudia Langowsky, in einem Interview der Nachrichtenagentur AP.

Die Verteuerung der Fahrkarten werde regional sehr unterschiedlich ausfallen, je nachdem, welche Ziele sich eine Kommune für den Öffentlichen Personennahverkehr setze. Langowsky kritisierte, dass der Bund sich mehr und mehr aus der Finanzierung zurückziehe - allein im nächsten Jahr fielen die sogenannten Regionalisierungsmittel um weitere 700 Millionen Euro niedriger aus als geplant. Die Länder reagierten unterschiedlich darauf: So habe beispielsweise Berlin die fehlende Summe komplett ausgeglichen. Andere Länder wälzten dagegen die Differenz auf die Unternehmen ab.
Es sei ein Widerspruch, dass die Politik von den Verkehrsunternehmen einerseits betriebswirtschaftliches Handeln erwarte, andererseits aber immer mehr Einfluss nehmen wolle. Wenn mit dem ÖPNV über verbilligte Tickets für Schüler, Behinderte oder Sozialtickets im Grunde Sozialpolitik gemacht werde, dürfe das nicht zulasten der Unternehmen gehen.
Boom wegen hoher Benzinpreise
Nach einem Fahrgastboom wegen der lange Zeit hohen Benzinpreise setzt der VDV auf eine Fortsetzung des Trends. Sie wünsche sich, dass viele in diesem Jahr neu gewonnene Kunden nun von den Leistungen des ÖPNV überzeugt seien und weiter mit Bus und Bahn zur Arbeit oder zum Einkaufen fahren, sagte Langowsky. Schließlich koste ein Monatsticket auch in Zeiten billigeren Benzins durchschnittlich noch immer weniger als eine Tankfüllung.
In den ersten sechs Monaten des Jahres stieg die Zahl der Fahrgäste um zwei Prozent oder mehr als eine halbe Million täglich. In den Ballungszentren lag das Plus doppelt so hoch. «Der ÖPNV erspart Deutschland jeden Tag über 18 Millionen Pkw-Fahrten und ist damit ein wichtiger Problemlöser für den Umweltschutz», sagte Langowsky. Im Zeitraum von 2000 bis 2007 verzeichneten die Verkehrsunternehmen ein Plus von insgesamt 7 Prozent.


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