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Marc Faber: Die aktuelle große Blase sind Staatsanleihen



15. Januar 2009, 20:00 CET

Im jüngsten Interview mit Marc Faber, dem Investor der durch seine präzisen Ansagen der letzten großen Börsencrashs und Spekulationsblasen Berühmtheit erlangte, sind wieder ungemütliche Vorhersagen zu finden. Bereits in der Einleitung des vom Finanznachrichtensenders Bloomberg im Rahmen der "First Word On 2009" Berichte aufgenommenen Fernsehinterview sagt Faber, dass wir erst am Beginn der schwersten Wirtschaftskontraktion seit der "Great Depression" ständen, die lange andauern würde, d.h. 5 - 10 Jahre. Denn er sähe keine Entwicklung, welche die Wirtschaftslage substantiell verbessern könnte, insofern würde 2009 ein katastrophales Jahr für die Wirtschaft werden.

Auf die Frage, was "die Regierung" denn dagegen machen müsse, antwortet Marc Faber konsequent, dass es am besten sei gar nichts zu machen, und erst die übermäßigen und falschen Eingriffe und Wirtschaftspolitik in den Vereinigten Staaten der letzten 10 Jahre zu den extremen Ungleichgewichten geführt hätten. Besonders kritisiert er Greenspan's Zinspolitik, der den Fed-Leitzins trotz Aufschwung volle 3 Jahre lang auf rekordniedrigen 1 Prozent festhielt. Wenn Sparer kaum Zinsen für ihre Bankeinlagen bekommen, "tuen sie dumme Dinge", wie Faber diesen Wirtschaftsmechanismus illustriert. Die Federal Reserve habe die Leute somit förmlich gezwungen, in alle möglichen spekulativen Anlagen zu investieren, indem sie den Leitzins unterhalb der Inflationsrate beließ.

Darauf folgt als nächste Frage, was denn dann die Risiken der bereits begonnenen "quantitativen Geldpolitik" seien, also der direkten Geldmengenerhöhung und Liquiditätsversorgung durch die Notenbanken. Darauf antwortet Marc Faber mit dem wohl interessantesten Statement dieses Interviews, dass es der Federal Reserve nämlich gelungen sei, nach sovielen Blasen überraschenderweise nochmals eine aufzublasen, die "Treasury Bond Bubble", also die Staatsanleihenblase. Alle Investoren sind in die vermeintlich sicheren Staatsanleihen geflüchtet und haben dadurch die Rendite bis auf unter 2,5 Prozent für 30 Jahre laufende US-Anleihen gedrückt. Um solche Anleihen noch zu kaufen müsste die Inflationserwartung für die nächsten Jahrzehnte sehr niedrig sein - was angesichts des Geldmengenwachstums und der expansiven monetären- und Fiskalpolitik aber sicher nicht der Fall sein würde. Stattdessen muss man Faber zufolge mit einer beschleunigten Inflationsrate rechnen müssen, die Zentralbank wird, auch aufgrund schwacher Währungen wie insbesondere dem US-Dollar, die Zinsraten über Inflation und Wachstumsrate anheben müssen, und dies wird sehr schwierig zu implementieren sein, da dann auch die Nationen plötzlich sehr viel höhere Zinsen für ihre Schuldenberge bezahlen müssten.

Zu der weiteren Marktentwicklung sagt Marc Faber, dass das Einzige wo er sich sicher sei, extreme Volatilität im Markt sei. Er sagte aber auch, dass nach der kurzen Erholung Ende 2008/Anfang 2009 weitere Verluste anständen, denn die Einnahmensituation der Unternehmen verschlechtere sich weiter und die Aktienbewertungen seien zwar niedriger als zuvor, aber immer noch nicht attraktiv angesichts der globalen Rezession. Dem aktuellen Optimismus, dass der S&P500 Index sich übers Jahr 2009 deutlich erholt, stellt Marc Faber die Expertenschätzung vom Vorjahr entgegen: Die Optimisten hätten Anfang 2008 auf einen Indexstand bei 1.750 zum Jahresende getippt, die pessimistischste Schätzung lag bei 1.525 Punkten - und der S&P500 liegt Ende 2008 mit rund 900 Punkten weit, weit darunter.

Marc Faber wird gefragt, ob er überrascht sei, dass die Situation trotz seiner pessimistischen Vorhersagen noch immer unter Kontrolle ist. Die USA würden immer noch damit durchkommen, antwortet Faber. Es sei ebenfalls ein großes Schneeball-System, bei dem jeder, der Geld verliere, von den Rettungsfonds der Regierung bezahlt würde, oder durch neu herausgegebene Schuldtitel. Doch eines Tages würde das ganze System kollabieren, und dann ein sehr viel größeres Desaster als der Madoff-Skandal werden.

Den US-Dollar bezeichnet Marc Faber, wie schon seit langem, als eine desaströse Währung. Allerdings seien alle anderen Währungen nicht viel besser. Auch der Schweizer Franken sei nicht mehr das, was er vielleicht 1950 einmal war. Die Währungen der Welt befänden sich sogar in einem Abwertungswettlauf, denn die Nullzinspolitik der Fed sei in gewisser Weise auch ein Handelskrieg, um Probleme in andere Länder zu exportieren. Daher werden laut Faber eher alle Währungen gemeinsam abwerten gegen die harte Währung der Edelmetalle Silber, Gold und Platin.

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Kommentare
1.
Jan 16, 2009 3:37am

sehr interessant. Ist Faber der Erste, der die Staatsanleihenblase auf einem der grossen Sender (Bloomberg) ausdruecklich angekuendigt hat?Marc Faber ist ja sowieso schon immer jemand, der das Ende der amerikanischen Schuldenwirtschaft kommen sieht.

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